***Gesundheit***
Im Oktober erkrankte ich zum 3. Mal am Coronavirus SARS-CoV-1. Die Symptome waren noch heftiger als die Erkrankungen zuvor. Drei Wochen war ich insgesamt krank zuhause und wollte einfach nicht wieder richtig fit werden. Sofort meinte mein Mann, es könne Long Covid sein. Bemerkbar machte sich das vor allem im Dienst, alleine die Stufen vom Keller in den 3. Stock schaffe ich nicht mehr. Ich habe das Gefühl, keine Luft zu bekommen, Herzrasen und Schwindel sind die Folge. Doch diese Symptome habe ich auch, wenn ich arbeite, so dass ich immer wieder Pausen einlegen muss. Ich habe oft das Gefühl, das Blut steigt mir in den Kopf, der wiederum gleich zu platzen droht. Dann wird mir schwindelig und ich muss mich kurz hinsetzen. Dazu kommt immer wieder dieses Stechen unter der Brust, was mir schon sehr Angst macht.
Silvester, im Dienst, war es wieder soweit: ich fühlte mich total schlecht und ein Messen des Blutdruckes ergab einen Wert zwischen 160 und 170, was überhaupt nicht normal ist. So ging ich zunächst nach Hause und am Dienstag dann auf ärztlichen Rat in die Notaufnahme. Hier wurde Blut genommen, ein Langzeit EKG und ein Langzeit Blutdruckgerät angehängt. Außerdem hatten sie mein Herz per Ultraschall angesehen: keine Hinweise auf irgendwelche Erkrankungen. Also bilde ich mir das alles nur ein? Man drückte mir dann am 3. Tag einen Brief in die Hand mit den Worten: Sie können nach Hause gehen“. Einen Arzt bekam ich nicht zu Gesicht… sehr komisch, ich dachte zumindest, er würde mit mir besprechen, was das los ist und welchen Verdacht er hätte. Im Brief stand dann „Verdacht auf Long Covid“ und dass ich mich in der Long-Covid-Sprechstunde in der Uniklinik vorstellen sollte. Na toll, meine Kollegin wartet da seit vergangenen März auf einen Termin… Und nun??
Long COVID – Post COVID – was ist das?
Bestehen nach einer Erkrankung an COVID-19 können gesundheitliche Beschwerden bestehen oder neu auftreten. Beschwerden, die noch drei Monate nach einer Ansteckung bestehen und mindestens zwei Monate lang anhalten oder wiederkehren nennt man Post-COVID. Wie ich nachlesen konnte haben Menschen nach mehrmaliger Ansteckung mit dem Coronavirus ein höheres Risiko und auch der Schweregrad der Erkrankung spielt hier eine nicht unwesentliche Rolle. Die Atemnot und den Schlafmangel bemerkte ich bereits nach der 2. Corona-Erkrankung, bin aber trotzdem immer die Treppen gelaufen statt den Aufzug zu nehmen. Ich dachte immer, es wird schon wieder. Aber jetzt, nach der 3. Infektion machen mir mehrere Treppen schon echt Probleme.
Welche Beschwerden können bei Long COVID auftreten?
Viele Menschen mit Long COVID berichten über eine starke, anhaltende Schwäche und schnelle Erschöpfung, genannt „Fatigue“. Dies kann zugleich mit einer eingeschränkten Belastbarkeit einhergehen („Belastungsintoleranz“). Darüber hinaus sind weitere körperliche, geistige und psychische Beschwerden wie z.B. Kurzatmigkeit, anhaltender Husten, Muskelschwäche oder Muskelschmerzen sowie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („brain fog“) möglich. Nicht zu vergessen wären Schlafstörungen, psychische Probleme sowie depressive Symptome und Ängstlichkeit. Über den Verlust von Geruchs- und Geschmacksstörungen wird im Vergleich zum Beginn der Pandemie seltener berichtet. Ich habe auch ständig Wortfindungsstörungen, ich möchte etwas sagen und bekomme es einfach nicht raus. Auch der linke Arm/linke Hand fangen einfach an zu Kribbeln, als hätte ich mich verlegt. Außerdem bemerke ich bei mir Hautveränderungen an Händen und Füßen und Haarausfall. Wegen meiner Ohrgeräusche war ich schon beim Ohrenarzt, der hat mich an eine Neurologin verwiesen. Studien zeigen bis zu 200 verschiedene Symptome – mir reichen ja schon die, die sich bei mir zeigen.
Kann man Long COVID behandeln?
Das Wichtigste ist zunächst Ruhe, Entspannung und ausreichender Schlaf – leichter gesagt als getan. So richtig durchgeschlafen habe ich seit Monaten nicht mehr. Eine ursächliche Behandlung gibt es leider nicht. Stress-Situationen und körperliche sowie mentale Überanstrengung sind auf jeden Fall zu vermeiden. Stress im Klinikalltag vermeiden, da muß ich noch dran arbeiten. Und natürlich keinen Sport oder übermäßig körperliche Aktivitäten, was für viele Menschen mit Long Covid sowieso unmöglich ist, da schon kleine Anstrengungen im Alltag wie z.B. das Treppensteigen oder Arbeiten im Haushalt so beschwerlich sind, dass man sie kaum bewältigen kann – oder nur mit regelmäßigen Pausen.
Ich wurde bis nächste Woche von der Arbeit befreit und soll bei einem Lungenfacharzt vorstellig werden. Anschließen suche ich meine Neurologin auf, die verschiedene Untersuchungen durchführen wird. Liegen alle Ergebnisse bei meiner Hausärztin vor, werden wir eine REHA beantragen. Es gibt inzwischen einige Kliniken, die auch Rehabilitation bei Long/Post COVID anbieten. Ich bin gespannt, wie es gesundheitlich weitergehen wird.
Ich drücke dir fest die Daumen, dass du die Reha machen kannst und dass diese natürlich auch etwas bringt. LG, Rahel
Schade, dass so viele Menschen dieses Virus so verharmlosen und bloß für eine Erkältung halten. Ich hoffe, dass es dir besser gehen wird und drücke dir ebenfalls die Daumen!